Historische Geschichten über...

Die Tönninger Festung
Bau der Bahnlinie Flensburg - Tönning
Das Tönninger Schloß

( wird regelmäßig erweitert )

Die Tönninger Festung
Tönning war von 1644 bis 1675 und erneut von 1692 bis 1714 Festungsstadt. Nach den Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges baute der Gottorfer Herzog Friedrich III. Tönning zur Festungsstadt aus. Unter Aufwendung von 30 Tonnen Gold wurden regelmäßige Bastionen sowie mehrere „bombensichere“ Gewölbe erbaut und die Festung mit drei Toren, dem Oster-, Norder- und Westertor versehen. Im Süden bildete der Eiderstrom sowohl Tor als auch Abwehr. Der eigentliche Sitz der Gottorfer in Gottorf lag entlang des großen Heerwegs durch Schleswig-Holstein und war so bei jeder kriegerischen Auseinandersetzung stark gefährdet. Erste Planungen, eine Ausweichresidenz auf der Insel Strand zu bauen, zerschlugen sich, als diese bei der Zweiten Groten Mandränke im Meer versank.
Noch im Dreißigjährigen Krieg zog Herzog Friedrich III. nach Tönning und begann die Stadt zur Festung auszubauen. Zusammen mit der Rödemiser Schanze im Norden, Tielener, Sorgen- und Holmer Schanze im Osten sowie der südlich gelegenen Hamhus entstand so eine umfangreiche Festungsanlage. Sowohl das Herzogtum als auch die Bewohner Eiderstedts und der verbündete schwedische König bezahlten den Bau der Festung.
Die dänischen Truppen von König Friedrich III. belagerten die Festung 1659 im Rahmen eines weiteren Krieges mit den Gottorfern, konnten sie aber nicht erobern. 1675 gelang es dem König allerdings, den Gottorfer Herzog und Sohn Friedrichs Christian Albrecht zeitweise aus seinem Herzogtum zu vertreiben und Herrscher von Schleswig und Holstein zu werden. Im selben Jahr schleifte er die Festung.
Nachdem Christian Albrecht mit Hilfe des deutschen Kaisers und europäischer Verbündeter wieder sein Herzogtum zurückerhielt, baute er die Festung 1692 wieder auf. Er ließ die Zahl der Bastionen von ursprünglich neun auf elf erhöhen und verpflichtete erfahrene schwedische Festungsbauer unter der Leitung von Zacharias Wolf, der danach auch Festungskommandant wurde. Er baute 1709/10 das Zeughaus.
Im Großen Nordischen Krieg zwischen Schweden und Gottorf auf der einen und Dänemark, Russland, Polen und Sachsen auf der anderen Seite spielten sich die entscheidenden Schlachten im Gottorfer Raum in Tönning ab. 1700 marschierte der dänische König Friedrich IV. mit 14.000 Mann im Herzogtum Holstein-Gottorf ein. Am 22. April 1700 wurde die Festung Tönning eingeschlossen und belagert. Sie wurde in dieser Zeit von mehreren tausend Artilleriegeschossen getroffen, die große Verwüstungen anrichteten, konnte aber gehalten werden, bis der schwedische Einmarsch in Gottorf sie am 2. Juni 1700 befreite.
Im Februar 1713 nahm Zacharias Wolf die flüchtenden schwedischen Truppen von Magnus Stenbock in der Festung auf, die vor den Truppen der Dänen, Russen und Sachsen Schutz suchten, nachdem sie die Dänen am 20. Dezember 1712 bei der Schlacht bei Gadebusch geschlagen hatten. Zusätzlich zur regulären Besatzung von 1.500 Mann zogen 11.000 Schweden mit 1.000 Pferden und sonstigem Anhang in die Stadt ein. Insgesamt 22.000 Menschen sollen sich zu dieser Zeit auf dem Quadratkilometer der vollkommen unvorbereiteten Festung befunden haben. Da es für so viele Menschen kaum Vorräte gab und schnell Seuchen ausbrachen, kapitulierte Graf Stenbock relativ schnell. 1713 kapitulierte das schwedische Heer, das die Festung verließ. Die Festung Tönning wurde weiterhin belagert, da sich Dänemark und Gottorf weiterhin im Krieg befanden. Größere Schäden wie bei der ersten Belagerung entstanden aber mangels Artilleriebeschuss diesmal nicht. Erst 1714 gingen die Vorräte auch für die wesentlich kleinere reguläre Bevölkerungszahl zu Ende, so dass Zacharias Wolf die Festung aufgab. Gottorf war damit militärisch chancenlos gegen den dänischen König. Dieser wurde infolge des Krieges wieder Herzog von Schleswig und begrenzte den Einfluss der Gottorfer auf Holstein.
Der dänische König ließ danach die Festung schleifen und dabei auch das Tönninger Schloss abreißen.

 

Bau der Bahnlinie Flensburg-Tönning
Die Bahnstrecke wurde unter der Herrschaft König Frederiks VII. von Dänemark von der englische Firma Peto, Brassey and Betts unter Samuel Morton Peto in den Jahren 1852 bis 1854 finanziert und gestaltet. Für Hochbauten stand der Architekt Michael Gottlieb Bindesbøll zur Verfügung; Originale sind noch in Schwesing und Husum erhalten. Der dänische König hatte Peto 1852 eine Konzession gegen eine Befreiung vom Handelszoll für Viehtransporte zugesagt. [1] Erst 1852 reisten englische Techniker an und begannen von Tönning aus, die Strecke mit englischem Material zu errichten. Zum 1. Juni 1854 lud Morton Peto als Präsident der Aktiengesellschaft zu einer Sonderfahrt zur Besichtigung der Strecke vom Holzkrug (südlich vom heutigen Bahnhof Flensburg-Weiche) nach Tönning ein. Am 1. April 1854 wurde die Strecke von Tönning bis zum damals wichtigen Bahnhof am Ochsenweg Holzkrug bei Flensburg provisorisch in Betrieb genommen; nach Fertigstellung eines Provisoriums des „Englischen“ Bahnhofs samt Hafenbahn in Flensburg folgte am 4. Oktober der offizielle Betrieb. Die Einweihung durch den König wurde am 25. Oktober desselben Jahres vollzogen.
Die Firma baute die Hafenbahnen in Flensburg und Tönning. Die Trägergesellschaft nannte sich Flensburg-Husum-Tönninger Eisenbahngesellschaft (FHTE). Wesentliche Gründe für eine Bahnverbindung zwischen dem Ostseehafen Flensburg und den Nordseehäfen Husum und vor allem Tönning an der Eidermündung war der Export von lebendem Vieh nach England und von dort der Import von Kohle. Doch schon 1857 wurde mit der Abschaffung des von Dänemark erhobenen Sundzolls der Transport über die Strecke mit Umsteigen beziehungsweise Umladen in Flensburg und Tönning genauso aufwändig wie der Seeweg durchs Skagerrak. [3] Den Transport übernahm eine Ochsenlinie genannte Fährlinie nach Blackwell bei London; ihr Fährschiff Schleswig konnte auf einer Überfahrt 800 Ochsen und 1300 Schafe mitnehmen. [4] 1859 wurden mehr als 32.000 Ochsen nach England exportiert. Bis 1886 entwickelten sich die Transportzahlen. Der Export wurde aber 1886 jäh abgebrochen, weil die englische Regierung auf die Maul- und Klauenseuche mit Importverboten reagierte.


Das Tönninger Schloss
Herzog Adolf I. ließ das Tönninger Schloss errichten, nachdem er erster Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf geworden war. Ein weiteres Motiv war seine Absicht, die Eider zu einem Verbindungsweg zwischen Nordsee und Ostsee ausbauen zu lassen, um dem Stecknitzkanal Konkurrenz machen zu können. [1] Das Schloss zählte zu den zahlreichen Bauwerken seiner Regierungszeit, zu denen unter anderem auch das Schloss Reinbek, das Trittauer und das Kieler Schloss, sowie der partielle Neubau des Gottorfer Schlosses gehörten. Der Bau in Tönning entstand ungefähr zeitgleich mit dem Schloss vor Husum, das ebenfalls im Auftrag Adolfs I. errichtet wurde und das ebenso als Residenz diente, wenn der Herzog den westlichen Landesteil seines zerstreuten Herrschaftsgebiets besuchte. Vor allem aber diente es als Amtssitz des Stallers Caspar Hoyer und seiner Nachfolger.
Der niederländische Baumeister Herkules von Obernberg wurde beim Bau vor allem vom königlichen Jagdschloss Challuau (später Schloss Saint-Ange, zerstört) in Frankreich beeinflusst. [2] Das Schloss besaß vier Pavillons an den vier Ecken, über die sich je ein Turm erhob. Der zweigeschossige Zentralbau enthielt ebenfalls einen (kleineren) Turm, in dem sich das Treppenhaus befand.
Der Gottorfer Herzog Friedrich III. baute nach den Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges Tönning zu einer Festung aus, die eine strategisch wichtige Stellung im westlichen Schleswig-Holstein einnahm.
Nachdem sich das Herzogtum Gottorf im Nordischen Krieg (1700 bis 1721) zwar offiziell neutral verhielt, die Festung Tönning jedoch den Schweden zur Verfügung stellte, belagerte der dänische König Friedrich V. die Stadt zweimal. Bei der ersten Belagerung litt die Stadt unter umfangreichem Artilleriebeschuss, der auch das Schloss beschädigte. Nach dem Sieg der dänisch-russischen Verbündeten im Nordischen Krieg 1714 nahm Friedrich auch das Schloss und die Stadt Tönning ein. Er schleifte die Festung Tönning und ließ dabei 1735 das Schloss abreißen

Überreste des Schlosses
Heute existieren von den Schmuckelementen nur noch vier Skulpturen aus
Sandstein, die als „Beischlagwangen“ bezeichnet werden und die antiken Gottheiten Venus und Merkur darstellen. Diese stehen überdacht im Stadtpark von Tönning, eine einfache Nachbildung des Schlosses ziert außerdem den Ententeich des Parks.


Darstellung der Venus

Darstellung Merkurs